Luftschloßfabrik geräumt!

Die Stadt Flensburg hat ihre blödsinnige Drohung in die Tat umgesetzt. Nach langem Hick-Hack und viel Bla Bla sind die vor ihr beauftragten Bullen und das Technische Hilfswerk mit Wasserwerfern, Räumfahrzeugen und Co. am 03.02. früh morgens um 8:00 angerückt. Trotz massivem Widerstand war das Gelände gegen Mittag geräumt und die Abrisskollone bummelte nicht.

Herzlichen Glückwunsch an den Rat der Stadt. Ihr habt es geschafft mit extremer Gewalt und für unglaublich viel Geld ein für die Stadt einzigartiges Projekt zu zerstören, Menschen den Wohn- und Lebensraum zu rauben und die Arbeit von zwei einhalb Jahren zunichte zu machen. Falls euch das glücklich macht, könnt ihr mensch in eurer geistigen Armut und menschlichen Kälte nur leid tun.

Was für ein scheiß Staat, der Gesetze schafft, die so etwas legitimieren, und Polizei ausbildet, die so etwas umsetzt.
Was für eine scheiß Ratssitzung, die so etwas beschließt, oder zulässt, dass so etwas beschlossen wird, und sich solcher Maßnahmen bedient.
Was für eine scheiß Gesellschaft, die solche Menschen hervorbringt, die die Sitze im Rat der Stadt ausfüllen.

Hier ein link der Lokalpresse über die Ereignisse zum Nachlesen:
http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/harniskai-in-flensburg-stadt-zerstoert-freiraum-um-freie-flaeche-zu-schaffen-id12636926.html

Stonewall – White, cis-male, straight-acting, middleclass

Besagter Aufstand fand in der Nacht vom 27. zum 28. Juni 1969 statt, nachdem Polizisten in New York eine Razzia in der Schwulen- und Transgenderbar “Stonewall Inn” durchführten. Für die Schwarzen und Latina Dragqueens und LGBTI* war diese Kneipe noch ein viel wichtigerer Rückzugsort, als für die weissen Schwulen, die sich im Alltag als Heteros ausgeben konnten und mit den weißen Privilegien ausgestattet waren. 1969 war schließlich erst wenige Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Und Persons of Colour* waren nach wie vor massiven Diskriminierungen ausgesetzt. Sowohl auf sozialer als auch auf finanzieller Ebene waren die schwulen, lesbischen und trans* Persons of Colour stark benachteiligt. Es waren Menschen, die nichts mehr zu verlieren hatten, als diesen einen Schutzraum. Es waren Menschen, die die Mischung aus Rassismus, Homo- sowie Transphobie* und Klassismus*, der sie täglich ausgesetzt waren, nicht mehr aushalten konnten und wollten.

Im Stonewall-Film wird die Hauptrolle in den Krawallen dem weißen, schwulen, Mittelschichtsjungen Danny zugeschrieben, welcher von Jeremy Irvine gespielt wird. Danny sieht nicht typisch schwul aus, und auch der Schauspieler ist heterosexuell. Roland Emmerich bezeichnet die Rolle auch als “straight-acting”, was heißt, dass ein Schwuler so tut als ob er heterosexuell wäre. Damit wird verbunden, dass er sich nicht weiblich gibt, sondern oft eine Form von übersteigerter Männlichkeit zur Schau stellt. Doch genau dieses “straight-acting” war das, wogegen die Menschen sich erhoben haben: Sie wollten sich nicht mehr verstecken und im Beruf wie vor der Familie den heterosexuellen Mann zu spielen. Doch genau das ist auch die Erwartungshaltung, die Schwulen, Lesben und trans* Menschen auch heutzutage wieder entgegengebracht wird: Es sei zwar in Ordnung, dass wir schwul, lesbisch oder trans* sind, aber nur solange man es uns nicht ansieht. So sprechen viele Schwule davon, dass sie sich einen “hetero-liken” Freund wünschen – und trans* Menschen scheuen sich zum Teil davor, sich mit anderen trans* Personen zu zeigen, die kein perfektes Passing* haben. Aus diesem Verhalten spricht oft ein verinnerlichter Selbsthass und eben kein “Pride” (eng. Stolz).

Außerdem ist es problematisch, dass die Person, die den ersten Stein wirft, entgegen der Geschichte, im Film weiß ist: Tatsächlich war es wohl die Schwarze Dragqueen Marsha P. Johnson, die den ersten Stein warf und die im Film eher im Hintergrund auftaucht. Ein weitere Entscheidung Emmerichs ist ebenfalls schwer nachvollziehbar: Rollen im Film, die trans* Personen darstellen, wurden nicht von solchen gespielt. Eine Rolle ist auch meist mit einer Identität und vielen Erfahrungen und Gefühlen verknüpft, und Personen mit der Identität der Rolle können wohl deutlich einfühlsamer und authentischer spielen. Außerdem sind trans* Personen generell sehr häufig von Arbeitslosigkeit betroffen und ihnen auch noch die Rollen zu nehmen, für die sie wesentlich besser geeignet sind als ihre cis-gender Kolleg_innen, ist nicht in Ordnung.

Wäre es denn in Ordnung, wenn ein Weißer die Rolle von Martin Luther King Jr. oder Gandhi spielen würde? Außerdem würde sicher niemand auf die Idee kommen, einen cis-Mann die Rolle einer Frau spielen zu lassen. Und auch trans* Frauen sind Frauen.

Dass Emmerich den Fokus seines Filmes auf eine weiße, cis-männliche und heterosexuell wirkende Person aus der Mittelschicht richtet, hat neben der Misogynie (Abwertung von Weiblichkeit) auch wirtschaftliche Gründe: Er kalkuliert schlicht mit ein, dass der Film erfolgreicher wird, wenn der durchschnittliche weiße, heterosexuelle Mann sich mit dem Helden des Filmes halbwegs identifizieren kann und dann mit einem Gefühl der Genugtuung aus dem Kino geht.

Anstatt den Film im Kino zu sehen und damit auch noch derartige Strategien zu unterstützen, streamt ihn doch im Internet. Oder wartet bis er im Fernsehen läuft.

Zumindest in Amerika war der Film dank eines weitreichenden Aufrufes zum Boykott alles andere als ein Kassenschlager.

Nur weil einige von uns mittlerweile ähnliche Privilegien genießen wie heterosexuelle und cisgender Menschen, dürfen wir nicht aufhören zu kämpfen. Wir sollten uns stets auf die Seite derer stellen, die weniger Möglichkeiten haben als wir und uns nicht auf unseren Errungenschaften ausruhen. Und ob diese Möglichkeiten eingeschränkt werden, weil eine Person nicht-weiss, nicht-männlich, nicht-heterosexuell, nicht-cisgender, nicht-mittelklasse oder nicht-ablebodied* ist, darf keine Rolle spielen, wenn es darum geht für ihr Recht zu einzustehen.

Anstatt jedes Jahr auf den Christopher-Street-Days eine große Party zu feiern, und uns über jedes kleine Stück vom Kuchen (z.B. Ehe) zu freuen, sollten wir die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge, die zu unserer Unterdrückung überhaupt geführt haben, überwinden.

Until all are free, no one is free.
Bis alle frei sind, ist keine*r frei.

Alternativen zu Emmerichs Stonewall-Film:

Happy Birthday Marsha – In diesem sich noch in der Produktion befindlichen Film soll endlich Marsha P. Johnson eine gebührende Anerkennung für ihr Lebenswerk erhalten.

Major! – In diesem geplanten Dokumentarfilm soll es um das Leben der transgender- Aktivistin Miss Major Griffin Parker und ihre Rolle in den Stonewall-Aufständen gehen.

Glossar
- Person of Colour (PoC): Selbstbezeichnung von als nicht-weiß geltenden Personen, die sich Rassismus ausgesetzt fühlen.

- LGBT*I*: Schirmbegriff für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* Personen

- trans*: Trans* fasst die Lebensweisen aller der Personen zusammen, die nicht in dem Geschlecht leben wollen, in dem sie leben sollen. Das Sternchen steht stellvertretend für die verschieden Identitäten, wie z.B. transidentitär oder transgender.

- cis: cis ist das Gegendteil von trans. Es bedeutet, dass eine Person in dem Geschlecht leben möchte, in dem sie leben soll. Wenn eine Person z.B. als Frau geboren wird und auch als Frau leben möchte, dann ist sie eine cis-Frau.

- Passing: Passing bezeichnet, in wie weit eine trans* Person als das Geschlecht wahrgenommen wird, als das sie sich fühlt.

- Klassismus: Vorurteile oder Diskriminierung aufgrund von sozialer Herkunft oder sozialer Position. Richtet sich überwiegend gegen Arbeiter ( working-class ) und arme Menschen ( poverty-class )

- ablebodied: Als ablebodied wird eine Person bezeichnet, deren Körper über keine Ausprägungen verfügt, die diese Person z.B. in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken. Es ist das Gegenteil von disablebodied.

Nicht einen Tag den deutschen Patrioten!

Infotreffen im Infoladen SUBTILUS am Donnerstag, 10.09, um 19 Uhr

kommt am Donnerstag um 19 Uhr in die Norderstr. 41 (FL) um euch Infos über den geplanten Naziaufmarsch in Hamburg am 12.09 zu holen, euch mit anderen Menschen zu vernetzen und geschlossene An- und Abreisen zu planen.

Holt euch gegebenenfalls Literatur zum Demo1×1 oder Blockadefibeln aus dem Infoladen, Platz und Zeit zum Fahnenbau sollte auch noch sein!

Außerdem gibts an dem Tag wohl Kaffee und veganen Kuchen extra für euch.

Wir freuen uns auf viele Mitstreiterinnen & Mitstreiter,

eure SUBTILUS-crew (scroll down for english version)

http://subtilus.blogsport.de/

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Infomeeting at Infoladen SUBTILUS thursday, 10.09, at 19 a‘clock

come on thursday at 19 a‘clock to the Norderstr. 41 (FL) to get infos about the planned nazidemonstration in Hamburg on 12.09, connect with other people and organize a safe travel.
Get information about how to behave on demonstrations or on blockades or make your own flag.

There will be coffee and vegan cake for you.

greets,

your SUBTILUS-crew

http://subtilus.blogsport.de/

LUFTSCHLOSSFABRIK BLEIBT!

Infoladen SUBTILUS ruft zur Teilnahme an der Demonstration ‚LUFTSCHLOSSFABRIK BLEIBT‘ auf:

Das libertäre Kulturkollektiv LuftschlossfAbrik Flensburg bleibt!
Ein wichtiger & selbstbestimmter Freiraum muss erhalten bleiben & weiterhin geduldet werden.
Dazu demonstrieren & feiern wir!

Am 25.04.15, 15:00 Uhr Start Südermarkt.

Kommt zahlreich, laut & bunt !

Bleib‘ informiert auf www.luftschlossfabrik-flensburg.de

Infoveranstaltung „STOP G7 Lübeck“

‚Am 14. und 15. April 2015 wollen die Außenminister der G7-Staaten zu einem Gipfeltreffen in Lübeck zusammenkommen. Während sich Lübecks Bürgermeister über die „wirkliche Auszeichnung“ freut und schon die Marzipan-Häppchen für die Staatsgäste bereitstellen lässt, wollen wir mit vielfältigen Aktionen unsere Ablehnung der G7 und ihrer Politik zum Ausdruck bringen. Die „Gruppe der 7“ besteht aus den reichsten und mächtigsten Industriestaaten der Welt: USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Ihre Berechtigung zur Beratung und Entscheidung von globalen Fragen ziehen sie allein aus ihrer ökonomischen, politischen und militärischen Vormachtstellung. Die G7 sind damit eine undemokratische Institution ohne jede Legitimation.‘

Dazu findet am 08. April um 18:oo Uhr in Die ganze Bäckerei (Hafermarkt 10) eine Infoveranstaltung des Bündnis STOP G7 statt!

see you there <3

Die Luftschlossfabrik braucht eure Unterstützung

Die Flensburger Luftschlossfabrik braucht Unterstützung um eine Räumung abzuwenden.

Onlinepetition an die Stadt Flensburg:
https://www.openpetition.de/petition/online/luftscchlossfabrik-bleibt

Inhalt:
LuftschlossfAbrik bleibt!
-

Libertäres Kulturkollektiv LuftschlossfAbrik – BLEIBT!

- Translation into ENGLISH and DANISH : www.luftschlossfabrik-flensburg.de/petition-trnsltn/ -

Die Harniskaispitze, oder die sogenannte „Liegenschaft“ Harniskai 1-3, ist seit dem 20.02.2015 aus privater Pacht wieder in die Planung der Stadt Flensburg übergegangen.

In einem ersten Gespräch mit der Stadtverwaltung, wurde das Angebot von Seiten des Sanierungsträgers vorgebracht, nach einer „konfliktlosen“ Räumung in Verhandlung über eine Zwischennutzung zu treten.

Die LuftschlossfAbrik soll jedoch bleiben, und ihre Autonomie behalten. Aus diesem Grund können wir der Stadt durch eine breite Unterstützung zeigen, dass die Solidarität und das Interesse zum Erhalt der LSF groß ist – dazu wird Deine Unterschrift benötigt!

Am Samstag 25. April 2015 um 15:00 Uhr – start Südermarkt, wird es eine „LUFTSCHLOSSFABRIK BLEIBT!“ Demonstration geben.

Wir rufen euch auf, zahlreich zu erscheinen.
Eine fahrende Bühne wird uns begleiten.
Künstler werden noch bekannt gegeben.
Bleib‘ informiert auf www.luftschlossfabrik-flensburg.de

Eine Ausstellung diverser Demoplakate mehrere Gestalter_innen und Zeichner_innen wird ebenfalls bald bekannt gegeben. Im Sinne freiheitlich motivierter Kunst.

Weiterlesen auf:
https://www.openpetition.de/petition/online/luftscchlossfabrik-bleibt

Liebe Grüße
Infoladen Subtilus

‚Gnadenlos Deutsch‘ – der Partykracher im Deutschen Haus (Flensburg)

„Gnadenlos Deutsch“ – der Partykracher im Deutschen Haus (Flensburg)

Am 14. Februar 2015 findet im Deutschen Haus in Flensburg eine Party statt.
Das ist an sich nichts besonderes, allerdings ist der Titel der Party „Gnadenlos Deutsch“ und wir finden, das es nun einer gepflegten Pöbelei bedarf. Denn die Befreiung von Auschwitz ist 70 Jahre her und das heute die Begrifflichkeiten „Gnadenlos“ und „Deutsch“ in einem solchen Zusammenhang zusammenfinden bedarf scharfer Kritik, denn für die Opfer des deutschen Faschismus war der Tod ebenso „gnadenlose“ wie „deutsche“ Realität.

Erinnern heißt Kämpfen!

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz und beendete damit an diesem Ort die industrielle Vernichtung von 6 Millionen Juden & Jüdinnen und die Internierung und Ermordungen von Homosexuellen, Sinti und Roma, Kommunistinnen, Behinderten und anderen Unterdrückten und Entrechteten.
Die wahnhaften Ideologen des Nationalsozialismus hofften nach der Auslöschung der Juden & Jüdinnen auf eine bessere und gerechtere Ordnung. Denn diese stellen in der nationalsozialistischen Weltanschauung die Schuldigen für alles Übel dar.

Durch den von Goebbels 1943 ausgerufenen „totalen Krieg“ zeigte sich die Beteiligung des ganzen deutschen Staatsvolks – mit Ausnahme der wenigen Widerständigen – das auch vorher bereits den Krieg und die Vernichtung mitgetragen hatte, besonders deutlich. Sie waren bewusst beteiligt, ob durch Duldung und Billigung des Zustandes oder durch die Ausführung der Morde.

Dass die Shoah in Deutschland geschah, ist weder dem Zufall noch einer bestimmten biologischen Beschaffenheit der Deutschen zuzuschreiben, sondern ergab sich aus verschiedenen geschichtlichen, polit-ökonomischen und gesellschaftlich besonders deutschen Verhältnissen. Außerdem spielten schlussendlich die persönlichen Entscheidungen der handelnden gleichgeschalteten Einzelpersonen, die in der Volksgemeinschaft aufgingen, eine große Rolle.

Unser Fazit:

Der bürgerliche Staat möchte uns mit der „Vergangenheitsbewältigung“, das Überwinden des „dunklen Kapitel in der deutschen Geschichte“ weismachen, aus dem das deutsche Volk gestärkt hervorgehe. Diese Interpretation der Geschichte vergisst die kollektive Schuld der deutschen Volksgemeinschaft und leitet daraus eine aggressiv verbale, aber auch praktische Außenpolitik ab.

Die Bildung von PEGIDA und HoGeSa, aber auch die Elsässer/Jebsen Querfront und die populistische Stärke der Alternative für Deutschland sollten uns ermahnen, die Geschichte des deutschen Faschismus nicht zu vergessen, denn diese rassistischen, sozialchauvinistischen und antisemitischen Akteure bestätigen die Kontinuität des deutschen Nationalismus und die Gefahr, die von ihr ausgeht – dagegen hilft nur ein aktives Gedenken und ein bewusster Umgang mit den Verbrechen der Deutschen während der NS Zeit.

Wer sich am Samstag den 14. Februar ins deutsche Haus begibt, um dort ausgelassen zu feiern, ist tatsächlich „gnadenlos Deutsch“.

Krieg den deutschen Zuständen! Nie wieder Deutschland!

AUS VOKÜ WIRD KÜFA*

Wie vielleicht schon einige mitbekommen haben, haben wir beschlossen, unsere monatlich stattfindende, vegane Volxküche in ‚KüchefürAlle*‘ umzubenennen, um uns direkt vom Volksbegriff zu distanzieren, der Menschen ein- und ausschließt, beherrscht, in Kategorien und Zwänge steckt & mit Staaten und Nationen einhergeht.

*weil wir nun schreiben, ‚KüchefürAlle‘, heißt das nicht, dass wir homophobes, rassistisches, sexistisches, antisemitisches, lookistisches, ableistisches oder nationalistisches Verhalten, oder Personen, die dieses Verhalten ausüben, im Infoladen tolerieren! Those people, out of the KüfA!

Verdammt, wir bleiben alle!

Infoladen SUBTILUS bleibt!

Nach über sechs monatigen Verhandlungen mit unserem Vermieter Hermann Höft ist er letzendlich auf die gestellten Forderungen eingegangen. Der Infoladen SUBTILUS wird weitere 10 Jahre als autonomer Freiraum erhalten bleiben. Das bedeutet für uns und für euch freien Zugang zu jeder Menge Infos & I-net, bei Kaffee, Tee und kalten Getränken, lesbaren Politkram, einer monatlichen VoKü und einem gut ausgestattetem Umsonstladen.Zudem die Möglichkeit für emanzipatorische Politgruppen diesen sicheren Raum für ihre Treffen zu nutzen.

Infoladen SUBTILUS empfiehlt weiterhin:

DRECKIG BLEIBEN!
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Dienstag: 16:oo – 21:oo Uhr
Mittwoch: 15:oo – 19:oo Uhr
Donnerstag: 17:oo – 20:oo Uhr
Jeden 1. Donnerstag im Monat vegane KüfA!

Zur Lage des Infoladens

In diesem Text soll es um Gentrifizierung und um Freiräume gehen. Dass Freiräume durch Gentrifizierung bedroht werden, ist schon fast ein alter Hut. Genauso wie zu erklären, was es mit Gentrifizierung auf sich hat. Deswegen verzichten wir auf lange und komplizierte Theorien, die sich mit der kapitalistischen Aneignung und Nutzbarmachung von Freiräumen beschäftigen, oder erklären wie Gentrifizierung mit der Privatisierung des Öffentlichen und der Ökonomisierung des Sozialen zusammenhängt. Stattdessen kommen wir gleich zu unserem zentralen Punkt: Dem aktuellen Kampf für den Erhalt des Infoladens in Flensburg, der im Rahmen laufender Gentrifizierungsprozesse von der Schließung bedroht ist.

Der Infoladen Subtilus, der jetzt seit ca. 10 Jahren als autonomes Projekt existiert, ist zusammen mit einigen anderen Projekten einer der wichtigsten Freiräume in Flensburg. Er befindet sich in der Norderstraße neben dem ehemaligen Norderpark. Warum ehemalig? Das Bauunternehmen Höft hat den gesamten Norderpark und die beiden sich anschließenden Häuser aufgekauft. Damit ist Hermann Höft neuer Eigentümer und Vermieter des Infoladens. Höft kauft seit einiger Zeit in Flensburg Flächen auf. Die Häuser, die dort entstehen, sind mit unter Luxuswohnungen für reiche Flensburger_innen, wie z.B. „Klar-Schiff“ (näher am Wasser geht kaum noch) oder die Stadtvillen am Wasserturm im Volkspark, für die ein gutes Drittel der Kleingartenkolonie verschwindet. Gut, Kleingartenkolonie ist nicht jedermenschs Sache, aber eine solche Umwandlung von gemieteten Kleingärten (für solche, die sich ein eigenes Grundstück mit Garten nicht leisten können) in Privatgrundstücke für Reiche ist für uns eine Umverteilung von unten nach oben. Was heißt das in Zahlen ausgedrückt? Die Preise für die Stadtvillen sollen bei 125.000€ (70m²-Eigentumswohnung) losgehen und sich bis zu 550.000€ (120m²-Eigentumswohnung) steigern. Ein 120m² großer Garten kostet dort im Jahr ca. 60€ Miete. Klingt irgendwie nach Gentrifizierung, oder?

Aber was hat der Infoladen mit den laufenden Gentrifizierungsprozessen zu tun? Nachdem Höft im Norderpark anfing zu bauen, stiegen die Mieten in der gesamten Norderstraße. Das führte dazu, dass Mieter_innen ausziehen mussten, u.a. Greenpeace und Amnesty International. Die Miete im Infoladen liegt deutlich unter dem, was Höft als Vermieter für den (jetzt aufgewerteten) Standort einnehmen könnte, würde er an eine_n andere_n Betreiber_in vermieten. Das schien einer der Gründe zu sein, warum wir eines Tages die Kündigung im Briefkasten hatten. Dann hat Höft scheinbar Muffensausen bekommen, als sein Vorarbeiter ihm (laut Hören-sagen) mitteilte, dass „er aufpassen solle, das sei Szenegebiet“. Wie auch immer. Jedenfalls hat er die Kündigung wieder zurück gezogen und sich zu zwei persönlichen Gesprächen bereit erklärt. Bei diesen Mietvertragsverhandlungen hat er sich bereits mehr oder weniger konkret auf unsere zentralen Punkte eingelassen, was z.B. die Dauer (mindestens zehn Jahre), die Miethöhe (pauschal 100€ warm) und unser Selbstbestimmungsrecht angeht. Uns gegenüber hat er ausdrücklich betont, dass er den Infoladen als „soziales Projekt“ unterstützenswert fände. Höft rückt sehr gern seine unternehmerische Tätigkeit in den Bereich des sozialen Engagements. Dafür ist ihm kein Argument zu krude oder abwegig. Die inhaltliche Arbeit, die der Infoladen macht, ist bestimmt nicht durch Höft veranlasst und wenn sein „soziales Engagement“ darin besteht, uns für das dreifache der ursprünglichen Miete nicht rauszuwerfen, ist das eine dreiste Anmaßung. Aber zurück zum Verlauf. Als sein Mietvertragsentwurf eintraf, staunten wir nicht schlecht. Von unseren ursprünglichen Forderungen stand da nichts mehr drin. Stattdessen hatten wir den unglaublichsten Knebelmietvertrag aller Zeiten vorgelegt bekommen. Einige absurde Beispiele: Plakate mit unliebsamen Inhalten, also eigentlich alle mit politischer Aussage(!) könnten Anlass zur fristlosen Kündigung sein. An mehreren Stellen des Mietvertrags wird deutlich, das alles, was gegen Höft’s Interessen steht oder ihm an inhaltlichen Themen nicht schmeckt, Gründe für eine fristlose Kündigung sein könnten. Der Mietvertrag wäre auf lediglich zwei Jahre befristet, die Miete läge bei 300€ warm und Höft würde zunächst(!) aus wohltäterischen Beweggründen 200€ dem Infoladen spenden. Höft hat sich in dem Entwurf von allen Seiten juristisch abgesichert. Wir dagegen hätten keine Chance, den Infoladen in seiner jetzigen Form als autonomen Freiraum weiter zu erhalten. Da Höft bei den Gesprächen entweder nicht zurechnungsfähig war, anschließend Gedächtnisverlust erlitten hat oder beim Aufsetzen des Vertragsentwurf nicht mehr gefragt wurde, haben wir ihm einen Gegenentwurf mit unseren zentralen Punkten geschickt.

Wir fordern einen Mietvertrag, der den Infoladen legal(!) auf Dauer, wir sprechen hier nicht von ein paar Jahren, sondern von Jahrzehnten, als Freiraum erhält. Der Infoladen soll eine Möglichkeit für mehrere Generationen von Menschen sein, sich einzubringen, auszuprobieren, sich zu verwirklichen, selbstbestimmt zu leben und ihr Umfeld auch darüber hinaus kritisch nach ihren Vorstellungen zu gestalten, also all das, wofür ein Freiraum da ist. Wir lassen uns den Infoladen nicht wegnehmen! Wir fordern Höft auf, seiner Zusage nachzukommen und unseren Entwurf zu unterzeichnen!

Wir wollen keine Gentrifizierung, nicht in der Norderstraße, nicht in Flensburg, noch sonst wo. Alle, unabhängig vom Einkommen oder von der sozialen Schicht, haben das Recht zu entscheiden, wo und wie sie in einer Stadt leben, sich bewegen oder agieren. Die Stadt gehört allen! Keine Verdrängung, kein Ausschluss, sondern Recht auf Stadt!