Archiv für Juni 2010

Plädoyer für eine emanzipatorische Bildungskritik

Wenn mensch sich mit Bildung beschäftigt, kommt er nicht umhin, sich das Umfeld anzuschauen. Da Bildung mit den Institutionen Schule und Hochschule verbunden ist, besteht das Umfeld aus dem Lebensweg des bürgerlichen Individuums. Kurz: nach der (Hoch)Schule kommt die Arbeit, die Rente, Ende. Noch Fragen?
Wenn es uns um emanzipatorische Bildungskritik geht, dann kann Bildung nicht als Vorbereitung auf den Tod oder die Arbeit verstanden werden. Genau in dem Gefüge des vorgezeichneten Lebens verharrt jedoch „normale Bildungskritik“. Emanzipation bedeutet dahingegen Selbstbefreiung und Ausbruch aus der funktionalen Bestimmung der eigenen Bildung.
Wenn „stinknormale“ Bildungskritik bemängelt, dass das Bildungssystem nicht effektiv genug sei, meint sie eigentlich nur, dass es die Menschen nicht richtig für den Arbeitsmarkt oder zu schlechten Staatsbürgern formt. Das zeigt sich auch in den Reaktionen auf die PISA-Studie, in denen lamentiert wird, dass die deutschen Schüler gegenüber anderen „Nationen“ so schlecht sind. Auch unreflektierte Bezüge auf Humboldt und humanistische Bildungsideale oder die einseitige Klage über die Verrohung an den Schulen bzw. des Fehlens von Werten und Normen, ohne auch nur im Ansatz nach tieferliegenden Ursachen zu suchen, gehören zu den oberflächlichen Versuchen, Bildung zu kritisieren.
Emanzipatorische Bildungskritik geht in ihrer Kritik darüber hinaus und stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie betrachtet ihn oder sie nicht als Funktion (SchülerIn, StudentIn, WissenschaftlerIn), auch nicht als abstrakte Zahl (wie bei PISA zum Beispiel), sondern als denkendes, fühlendes und soziales Wesen, mit dem Bedürfnis zu (über)leben, und sich darin selbst zu verwirklichen.
Das hat auch Konsequenzen für die politische Praxis. Es bedeutet darüber hinauszugehen, nur mehr Geld, mehr Lehrer oder mehr Bücher zu fordern! Es bedeutet bestimmte Vorstellungen von Bildung aufzugeben: sie nicht mehr als Vorbereitung zu begreifen, der (derzeitigen) Gesellschaft zu dienen oder sie gar als Standortfaktor zu Markte zu tragen.
Es gilt, das Ziel eben genannter Forderungen zu überdenken, sich zu fragen auf welchen Prinzipien und auf welcher Geschichte dieses Bildungssystem aufgebaut ist, zu fragen in welchem gesamtgesellschaftlichen Kontext es wirkt und was und wen es hervorbringt. Alles Fragen, die zu stellen, selbst schon ein emanzipatorischer Prozess sein kann. Deren Antworten werden zu weiteren Fragen führen: Warum muß mensch eigentlich diesen Weg durchlaufen? Und wohin führt dieser? Welchen Sinn macht das alles? Und hat das Ganze noch irgendetwas mit Selbstverwirklichung zu tun oder läuft es nicht eher auf eine permanente Fremdbestimmung hinaus?
Ein anderes Verständnis von Bildung ist nötig: als kommunikativer Prozess, der selbstbestimmt und zusammen mit anderen Menschen gelebt wird. Und es ist auch nötig sich dafür zu engagieren und nicht den vorgezeichneten Weg zu gehen, den eigenen Kopf und Körper zu verkaufen oder zu vergessen, daß man Träume hatte und Wissbegierde. Im gesellschaftlichen Leben wird beides darauf beschränkt, das eigene Überleben zu sichern und der eigenen Abstumpfung freie Bahn zu lassen.
Eine solche Bildungskritik ist an hiesigen Schulen und Universitäten leider selten zu finden.
(Quelle: www.bildungskritik.de)

Student_innen-Demo in Flensburg

Fundstück von Indymedia:

20.05.2010 Bildungsstreik Demo Flensburg – eine Zusammenfassung mit anschließender Kritik

So, weswegen wurde denn heute demonstriert?

Ich fasse es mal wie folgt zusammen:

Die Uni Flensburg soll zusammengestrichen werden, dadurch käme dann natürlich die Bildung zu kurz. Warum das schlecht ist, wurde von den Rednerinnen und Rednern im Grunde durch zwei Argumente dargestellt, wobei das immer wiederkehrende Hauptargument das zweite ist:
#1 Die Studenten bringen jedes Jahr pro Kopf etwa 7.000 € nach Flensburg; wenn die Studenten abwandern, wandert logischerweise auch das Geld ab, was schlecht für die lokale Wirtschaft wäre.
#2 Durch die Kürzungen im Bildungssektor ist es schwieriger, ausreichend Bildung zu bekommen. Diese Bildung wiederum wird dringend benötigt, um in der Wirtschaft gegen die anderen Konkurrenten zu bestehen. Von daher sei es weder fair noch gerecht, wenn Flensburg, beziehungsweise die Studentinnen und Studenten in Flensburg, von vornherein gar nicht die Möglichkeit auf einen Abschluss mit der hohen Qualität der Kieler Universität zum Beispiel haben. Die Studenten in Flensburg wollen die gleichen Chancen wie die Leute an der Kieler Uni, um dann später nach der Uni nicht mit einem Handicap auf die Wirtschaft losgelassen zu werden.

Diese Leute beschweren sich also über die Konkurrenz, der sie gerade zum Opfer gefallen sind, denn Kiel hat sich in dem Konkurrenzverhältnis zu Flensburg ja offensichtlich durchgesetzt. Aber anstatt diese Konkurrenz abschaffen zu wollen, fordern sie doch tatsächlich eine neue Chance und wollen sich erneut ins Konkurrenzverhältnis stürzen und sich darin ausbeuten lassen.

Aber warum finanziert der Staat überhaupt Bildung?

Mittlerweile ist es ja sogar üblich, dass Firmen Universitäten und Fachhochschulen finanziell unterstützen.
Spätestens hier ist sehr deutlich zu erkennen, dass Wirtschaftsinteressen hinter dem Ganzen stehen, nationale Wirtschaftsinteressen, um genau zu sein.
Bevor wir das Warum klären können, müssen wir zuerst analysieren, wie denn überhaupt ausgebildet wird.
Das fängt ja schon in der Grundschule an, alle werden gleich behandelt, egal wie schlau oder wie dumm, wie schnell oder langsam man ist. Dann wird die Klassenarbeit geschrieben, die Langsameren und die Schwächeren werden sehr wahrscheinlich schlechter abschneiden als der Rest, während die schnellen und guten Schüler die guten Noten bekommen. Hier werden die Schüler bewusst in Konkurrenz zueinander gestellt, mit dem Ziel, die Schüler für den weiteren Bildungsweg vorzusortieren. Die mit den schlechten Noten kommen auf die Hauptschule, die mit den besseren auf das Gymnasium und die aus dem Mittelfeld kommen auf die Realschule und die berufliche Zukunft der Schüler steht so gut wie fest – der von der Hauptschule wird Müllmann, die von der Realschule landet irgendwo im Mittelstand und der mit dem Abitur wird Personalchef.
Es geht also nicht darum, allen Leuten gleiches Wissen zu vermitteln, sondern vielmehr darum, dass für jede Funktion in der Wirtschaft das passende Personal zur Verfügung steht.

Wenn es um die Vermittlung von Wissen ginge, würden die Schüler nicht in ein Konkurrenzverhältnis zueinander gesetzt, und müssten die Klassenarbeit erst schreiben, wenn auch wirklich jede und jeder das Thema verstanden hat – es bleibt die Frage, ob Klassenarbeiten, diese Leistungsprüfung, ohne Konkurrenzverhältnis überhaupt benotet werden müssten, geschweige denn die Klassenarbeit selbst überhaupt noch notwendig wäre.
Außerdem, warum wird einem Hauptschüler wesentlich weniger Wissen vermittelt als einem Gymnasiasten? Warum soll der Hauptschüler gar nicht so viel wissen wie der Gymnasiast?
Weil der Hauptschüler später als Müllmann nicht wissen muss, wie die Firma geleitet wird, denn diese Aufgabe hat ja schon der Chef. Wüsste der Müllmann ebenso wie der Chef, wie die Firma geleitet wird, wäre der Chef in seiner Funktion als Firmenleiter schlichtweg überflüssig, da die einzelnen Angestellten und Arbeiter selbst wüssten, was zu tun wäre.
Hinzu kommt noch, dass immer noch das Prinzip gilt, je länger die Ausbildung, desto höher das Gehalt später im Job.

Ich fasse zusammen:
Der Staat finanziert die Bildung, um für die Wirtschaft brauchbares Menschenmaterial zur Verfügung stellen zu können.

Dass nun im Bildungssektor Kürzungen vorgenommen werden, beruht also auf der Erkenntnis des Staats, dass in der Vergangenheit offensichtlich unnötig viel in Bildung investiert wurde, was den Output an gebildeten Fachkräften zu stark erhöht hat. Oder warum sonst sehe ich Leute, die trotz gutem Abitur im Supermarkt an der Kasse arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Aus Spaß an der Sache machen sie es definitiv nicht.
Sie sind am Markt für höher qualifizierte Kräfte schlicht zu viel, überflüssig.

Es geht dem Staat mit den Kürzungen, Reformen und Abstrichen im Bildungswesen darum, frühzeitiger einen leistungsfähigeren Nachwuchs in die Arbeitswelt zu schicken, der der Nation auf dem Arbeitsmarkt länger zur Verfügung steht und obendrein durch eine kürzere Ausbildung national weniger Kosten verursacht.

Aber warum ist es schlecht für die Regionalwirtschaft, wenn das Geld der Studenten abwandert?
Ganz zuerst möchte ich mit dem Fehlurteil aufräumen, dass die Menschen von einer florierenden Wirtschaft profitieren.
In der Wirtschaft geht es um die Vermehrung von Geld, um nichts anderes.
Ein gewisses Maß an Personal benötigt jede Firma, um produzieren zu können, denn von alleine produziert sich nichts.
Allerdings muss man bedenken, warum eine Firma produziert – richtig, um Geld zu erwirtschaften. Dass das Personal der Firma eine Bezahlung haben will, passt der Firma eigentlich überhaupt nicht, denn jeder Cent mehr Lohn erhöht die Kosten und schmälert den möglichen Gewinn der Firma. Von daher KANN der Lohn im Sinne der Firma gar nicht niedrig genug ausfallen – und im Sinne des Angestellten wiederum gar nicht hoch genug, denn je mehr, desto besser. Beziehungsweise desto höher sind die Überlebenschancen hierzulande, denn im Kapitalismus leben alle direkt oder indirekt in einem Konkurrenzverhältnis zueinander.
Es stimmt also, es wäre in der Tat schlecht für die regionale Wirtschaft, wanderten die Studenten mitsamt ihrem Geld ab.

Aber ist dies denn von der Grundidee wirklich so schlecht?
Gehen wir mal davon aus, die Studenten wanderten tatsächlich ab. Somit würde die Nachfrage sinken und es müsste von der Wirtschaft weniger zum Angebot bereit gestellt werden. Dementsprechend müsste weniger produziert werden.
Prinzipiell ist dies doch eine gute Sache, denn es müsste weniger gearbeitet werden.
Da es in der Wirtschaft allerdings rein ums Profit machen geht und zwar so effizient wie nur möglich und eben genau NICHT um die Versorgung der Menschen mit allen zum Leben notwendigen Dingen, haben viele Leute das Nachsehen.
Noch vor 50 Jahren wurden aufgrund der noch nicht vorhandenen Automatisierung viel mehr Arbeitskräfte benötigt als heute, da ein Großteil der Arbeit nun von automatischen Maschinen übernommen und nicht mehr per Hand gemacht wird.
Prinzipiell ist dies auch super, da dies bei gleichem Output eine massive Arbeitserleichterung und Arbeitszeitverkürzung bedeuten kann. Da die Leute aber trotz der Automatisierung nicht unbedingt weniger arbeiten müssen, sondern lediglich weniger Arbeitskräfte benötigt werden, werden die nun überflüssigen Arbeitskräfte entlassen und bekommen dementsprechend auch nichts ab.
Denn wie heißt es so schön: Nur wer arbeitet, verdient auch einen Lohn.
Die Leute, die nun nicht mehr von der Wirtschaft gebraucht werden, werden arbeitslos oder müssen irgendwelche schlechter entlohnten Arbeiten verrichten, um ihr Überleben zu sichern. Hinzu kommt, dass es nun viel mehr Anwärter auf eine Arbeitsstelle gibt, was das Lohnniveau nach unten drückt.
Wer nicht spurt, fliegt raus; der nächste Arbeitslose oder schlechter Bezahlte wartet schon sehnsüchtig auf die dann frei werdende Stelle.
Auf der Warteliste zu deinem Studiengang sind sicher auch noch genügend andere, die sehr gerne deinen Platz einnehmen würden.
Von daher strengst du dich wahrscheinlich doch etwas mehr an, um nicht derjenige zu sein, der aussortiert wird.

Im Grunde gibt es nun für das Individuum zwei Handlungsmöglichkeiten:
#1 Akzeptanz der gesellschaftlichen Verhältnisse mit all dem Neid und der Gier, entstanden aus der sogenannten sozialen Ungerechtigkeit, inklusive deren Reproduktion.
#2 Widerstand organisieren, den anderen Leuten zeigen, dass es auch anders geht und sie nicht in ihrer Rolle als Bürger gefangen sein müssen, wenn sie denn nur wollen. Wer ist denn hier schon wirklich zufrieden?


Eine Sache noch:
Zwischendurch wurden Rufe laut, die Regierung solle endlich etwas ändern. Da muss ich nun die Frage stellen, warum muss es die Regierung ändern? Warum will man es nicht selbst in die Hand nehmen und selbst etwas dafür zu tun, dass es sich ändert?
Warum sollte die Regierung überhaupt etwas ändern? Hätte sie es nicht schon längst geändert, wenn sie es als notwendig erachten würde? Die Regierung ist doch der Schmarotzer, der von der Bevölkerung profitiert, indem sie über die Menschen herrscht.
Also noch einmal, warum sollte die Regierung an einer Änderung der Verhältnisse interessiert sein? Deshalb, nimm es selbst in die Hand und fang DU an, etwas zu ändern. Warum nicht jetzt?
Aber vergiss nicht, dich vorher über das was du ändern möchtest ausführlich zu informieren, sonst geht es wohlmöglich noch nach hinten los, frei nach dem Motto „Der König ist tot, es lebe der König“

Zum Schluss noch eine Buchempfehlung für die Leute, die sich weiter über die Funktionsweise der Wirtschaft informieren möchten:
Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie, ISBN 3-89657-593-7
Dieses Buch gibt es bei Black Mosquito und ganz sicher auch im Buchladen oder der Bibliothek.

Polizeiübergriff auf Hausprojekt in Flensburg – 2,5. Runde

Cum on feel the Noize

Polizeiübergriff auf Hausprojekt in Flensburg – 2,5. Runde

Ende Dezember 2008 hat die Flensburger Polizei eine Party in dem linken Hausprojekt „Senffabrik“ überfallen, die anwesenden verprügelt und mit Pfefferspray eingedeckt und nun 4 von ihnen angezeigt. Die Vorwürfe lauten Beleidigung und Widerstand – Gummiparagraphen, die nicht nur den willkürlichen und brutalen Polizeieinsatz rechtfertigen, sondern eben auch zu einer Verurteilung der Betroffenen führen sollen. Einsatz und Ermittlungsmethoden der Polizei zeigen deutlich, dass es sich hier um einen politisch motivierten Übergriff handelt. Die Betroffenen werden dies allerdings nicht einfach hinnehmen.


was.war.los.

Am 28.12. fand im so genannten „Mittelhaus“ (das kleinere Gebäude, welches zum Wohnprojekt
Senffabrik gehört) eine Party statt.
Gegen 3:00 kam die Polizei mit zu nächst 2 Polizisten – um sich über erhöhte Lautstärke zu beschweren. Diese wurde daraufhin auch drastisch (z.B. durch schließen der Fenster) reduziert. Umso merkwürdiger also, was ca. 45 Minuten später passierte: die Polizei stand wieder vor der Tür.
Diesmal allerdings mit 7-8 Polizist_innen. Ohne Ankündigung betraten einige Polizisten den Hausflur und versuchten in das Gebäude zu gelangen. Die zu dieser Zeit übrig gebliebenen Partygäste stellten sich dem aggressiven Polizeimob in den Weg und forderte eine Erklärung und Rechtfertigung für dieses Eindringen in die Privaträume. Als ihnen weiterhin der Zutritt verweigert wurde drehten die Polizisten durch und zogen direkt zwei Menschen aus den Hausflur in das Gebüsch gegenüber, dort wurden diese verprügelt und „fixiert“. Gegen die restlichen Gäste wurde daraufhin massiv Pfeffergel geschossen. Außerdem gab’s Tritte und Schläge für alle, die noch im Weg standen – dabei wurden mehrere Personen leicht verletzt. Die beiden Festgenommenen wurden daraufhin auf der Straße in die Polizeiautos verfrachtet. Zwei Mensch, die nach schauen wollten, was mit den Beiden nun passiert, wurden direkt an der Straße – sehr brutal- festgenommen.
Und da die nun vollkommen freidrehende Polizei anscheinend damit noch nicht genug hatte, wurde
schlussendlich noch eine Person, die sich auf der Wache nach den Gefangenen erkundigen wollte direkt inhaftiert. Auf der Wache wurden die Gefangenen zum teil schikaniert – es wurde z.B. mehrfach verweigert einen Anwalt zu informieren.
Unterstützer_innen, die sich am Morgen (inzwischen wurde per Anwalt raus gefunden, dass die Polizei einen Haftrichter angefordert hatten) vor der Wache einfanden, um auf die Gefangenen zu warten wurden sofort von 5 Polizist_innen umzingelt, bedroht, kontrolliert und schlussendlich mit einem Platzverweis versehen. Diesen Menschen sind Zeugenvorladungen zugekommen, um wegen der Geschehnisse der Nacht aus zusagen – obwohl sie Stunden später an einem ganz anderen Ort lediglich willkürlich kontrolliert wurden. Die Gefangenen wurden am morgen direkt dem Kommissariat 5 (K5, politische Polizei) vorgeführt um sie zur ED Behandlung zu nötigen. Außerdem wurde vergeblich versucht die Gefangenen zu verhören.
Die weiteren Ermittlungen wurden dann auch von der politischen Polizei geführt. Teils mit unverhältnismäßig hohem Aufwand und mit hohem Verfolgungseifer. Das Verfahren gegen eine Person wurde nun eingestellt, da der Vorwurf des Landfriedensbruch selbst für die Flensburger Polizei zu absurd war. Gegen die anderen 4 wurde ein Strafbefehl erlassen – quasi eine Verurteilung ohne Prozess. In diesem wurden sie je zu 50 Tagessätzen à 10,00 Euro verurteilt. Dagegen wurde Widerspruch eingelegt, so dass nun -nach einer Terminverschiebung- am 28.07.2010 ein Prozess stattfindet.

Als kleines Zwischenspiel flatterte den Betroffenen zwischenzeitlich noch eine Rechnung für die Nacht auf der Zelle ins Haus – knappe 170 Euro. Nach einem 5 Sterne Hotel sahen die Zellen allerdings nicht aus.
Hier zeigt sich auch mal wieder die rechtliche Chancenlosigkeit, die mensch gegen die Polizeiwillkür hat: der Widerspruch gegen diese Rechnung wurde von einem Beamten der selben Wache bearbeitet und -selbstverständlich- abgelehnt. Dieser Ablehnungsbescheid kostet weitere 60,00 Euro.

wieso.eigentlich.

Diese ganze Aktion werten wir als einen bewussten politischen Übergriff gegen ein politisch unliebsames Projekt.
Dafür spricht nicht zu Letzt das Vorgehen der Polizei: einen Angriff mit 8 Beamten auf eine Party wegen angeblicher „Ruhestörung“, ED-Behandlung der Betroffen, Ermittlungen durch das K5 (polit. Abteilung), sowie überregionale Ermittlungen wegen angeblichen „Widerstand“. Dafür spricht des weiteren, dass die Polizei bei einigen vergangenen Aktionen in Flensburg ziemlich blöd aus der Wäsche geschaut hat und sich nun sicherlich mal an „den Linken“ austoben wollte.

allgemein.

Wie bereits geschrieben halten wir den Vorwurf der Ruhestörung für einen Vorwand der Polizei um
uns anzugreifen.
Allerdings ist es uns auch wichtig darauf hinzuweisen, dass wir an einem offenen und direkten Umgang mit unseren Nachbar_innen interessiert sind. Wenn es also Probleme gibt, dann kann mensch uns auch direkt ansprechen – ein direktes Gespräch mit einer Nachbarin / einem Nachbarn nehmen wir wesentlich ernster als rumprollende Hampelmänner in dunkelblau.

der.zusammenhang.
Ein solches Vorgehen ist kein Einzelfall. Immer wieder versucht die Polizei durch Übergriffe auf Partys oder durch Angriffe in anderen sozialen Bereichen politisch unliebsame Menschen zu kriminalisieren und einzuschüchtern. Wir erinnern einmal an die Übergriffe in Bad Oldesloe, in Rendsburg oder in Husum. Die Methode, die bei uns angwendetet wurde scheint bei der Flensburger Polizei beliebt zu sein – so werden „alternative“ Partys gerne mal mit bis zu 15 Beamten und Hunden aufgelöst und die Anwesenden schikaniert. Der Verfolgungseifer blieb aber hier meist aus, vermutlich weil die Polizei nicht genügend politisch motiviert war.
Am 01.06. zeigten die Flensburger Schläger der Polizei dann noch einmal sehr anschaulich, wessen Geistes Kind sie sind: sie überfielen eine linke WG und schlugen und misshandelten die 3 Anwesenden auf übelste Art und Weise. Mehr Infos dazu findet ihr unter: polizeigewaltfl.blogsport.de

Wir sind nicht überrascht über eine Polizei, die selbst die eigenen Gesetzte nicht achtet und vollkommen willkürlich, brutal und überzogen gegen soziale Gruppen vorgeht. Dies verstehen wir vielmehr als elementaren Bestandteil der Polizeiarbeit. Angesichts eines massiv um sich greifenden Überwachungsstaates (Vorratsdatenspeicherung, Fingerabdrücke im Reisepass, …), einer immer mächtiger werdenden Polizei (BKA Gesetz, ..) und brutaler Übergriffe durch die Polizei ohne Konsequenzen für die beteiligten Beamten ist es an der Zeit sich gegen Staat, Justiz und Polizei zu organisieren und zu wehren.

Wir werden den kommenden Prozess politisch und offen führen. Wir wollen diese Willkür, diese Form der sozialen Repression gegen politische Feinde nicht ohne Widerspruch hinnehmen.

Kommt zum Prozess am 28.07.!

Treffpunkt ist um 8:30 im Infoladen Subtilus. Der Prozess beginnt um 10 im Amtsgericht (Südergraben)

[kontakt] copwatch-sh | @ | riseup.net