Archiv für August 2013

Die „Luftschlossfabrik“, in Flensburg passiert was…

In Flensburg entsteht seit einigen Tagen ein neues Wohn- und Kulturprojekt und braucht eure Unterstützung. Ein unschlagbar vielseitiges Gelände, eines der letzen in solch urbaner Lage direkt am Wasser wird nach mehreren Jahren sinnfreier Verwahrlosung wieder einem Zweck zugeführt. Deshalb: Kommt vorbei, bringt, Zeit, Ideen, Material, Werkzeug mit, lasst euch inspirieren, tobt euch aus. Pennplätze und Platz für Laster sind vorhanden. Jeden Tag entstehen neue Ideen, die Leidenschaft wächst, der tanzende Stern wird gerade erst geboren…

Wie, warum, wofür…

Die offensichtlich fadenscheinigen Absichten einer „Investorin“ haben dafür gesorgt, dass das Gelände am Harniskai 1-3 seit 2010 der Möglichkeit einer sinnvollen Nutzung entzogen und dem Verfall preisgegeben ist. Seit dem Rauswurf der Bewohner und Geschäftstätigen liegt das Gelände brach.

Die in Aussicht gestellten Großinvestitionen blieben aus, die Ansiedlung einer Montagefabrik für Luftboote der „Highship Industries Ltd.“ wird nicht stattfinden. Durch mannigfaltige Offenkundigkeiten wie z.B. dem von „Airbus“ kopierten Firmenprofil oder dem nicht gebauten Fertigungsstandort in Büdelsdorf hat die Stadtverwaltung die mangelnde Seriosität der „Highship Industries Ltd.“ und ihrer Schwester „Tycoon“ erkannt und beabsichtigt, den Vertrag mit der Investorin aufzulösen.

Nach verschiedentlichen Einschätzungen wird dieses juristische Tauziehen jedoch ca. fünf Jahre in Anspruch nehmen.

Solange können und wollen wir nicht warten.

Wir, die Nutzer_innen des Geländes Harniskai 1-3 sind der Meinung, dass die ebenso vielfältigen wie großartigen Möglichkeiten des Areals schon viel zu lange ungenutzt sind und haben uns entschlossen, das Problem „von unten“ anzugehen.

Etliche kulturelle und soziale Institutionen Flensburgs sind durch Etatkürzungen existenziell gefährdet.

Am Harniskai sehen wir die Chance, dieser Entwicklung entgegenzutreten.

Die Verwirklichung kultureller, künstlerischer, handwerklicher und sozialer Ideen können hier einen Raum mit beinahe unerschöplichem Potenzial finden.

Das Gelände inspiriert mit seinen brachliegenden Hallen, Wohn- und Arbeitsgebäuden und Grünflächen seit langem viele Menschen auf unterschiedlichsten Wegen.

Ein grundlegender Wunsch besteht darin, verschiedenen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Vorstellungen von gemeinschaftlichem Leben und Wohnen mit langfristiger Perspektive eigenverantwortlich zu erproben und umzusetzen.

Das Areal stellt hierfür eine optimal Basis dar, es gibt zum Einen bewohnbare Häuser, welche sich noch in einem renovierbaren Zustand befinden, des Weiteren ist ausreichend Platz für das Leben in beispielsweise Bauwägen vorhanden.

Der Erhalt und die Sanierung der Gebäude sowie des Außenbereichs sind uns wichtige Anliegen, wir halten es für inakzeptabel und unnötig, dass Gegebenheiten mit solch vielfältigen Möglichkeiten sinnentleert Vandalismus und Niedergang ausgesetzt sind, zumal der für alle nutzbare Teil des urbanen Fördeufers immer geringer wird.

Die Umsetzung dieser Idee stellt allerdings nur eine Basis dar, auf der das Projekt der

„Luftschlossfabrik“ aufbauen kann. Wir möchten das Gelände nicht alleinig für uns beanspruchen, sondern einen Platz in der Stadt schaffen, an dem sich kulturelles Leben frei und selbstverwaltet entfalten kann.

Die Visionen sind reichhaltig, um nur einige Beispiele zu nennen, möchten wir

einen Raum schaffen, in dem die Möglichkeit besteht, sich künstlerisch, handwerklich und zwischenmenschlich auszuprobieren und weiterzubilden

der Kunst einen Raum bieten für Ausstellungen und Installationen sowie Theater, Independant Kino, Konzerte und Parties

eine offene Fahrrad- und Kfz- Selbsthilfewerkstatt sowie eine Holz- und Bauwerkstatt aufbauen und zur Beteiligung Interessierter öffnen und ein Lager für recycletes bzw. recyclebares Bau- und sonstiges Material errichten

Formen der autarken Energieversorgung erproben und handwerklich umsetzen

einen Jugendtreff sowie eine Begnungsstätte in Form eines Cafes o.ä. schaffen

Proberäume einrichten sowie einen Sportraum, ohne auf Vereinsstrukturen angewiesen zu sein

uns an einem offenen Garten zum Mitmachen versuchen

„Wir“, die Nutzer_innen des Harniskai 1-3 respektive der „Luftschlossfabrik“ sind keine geschlossene Gruppe, sondern ein loser Zusammenschluss von Personen, denen der Erhalt des Geländes und seine sinnvolle Nutzung auf Basis der beispielsweise oben genannten Ideen ein Anliegen ist. Wir hoffen auf rege Beteiligung und Anregungen Interessierter und freuen uns über Mitstreiter_innen.

Es ist Deine, Unsere, Eure Stadt, lasst uns was draus machen…

…die Nutzer_innen des Harniskai 1-3

Norderstrasse Flensburg was passiert denn da?

Der Infoladen Subtilus ist ein kleiner Raum in dem vieles angeboten wird, wie z.B. die monatliche Volx-Küche, ein Umsonst-Laden, ein Archiv mit diversen politischen Inhalten der letzten 20 Jahre, selbst gestaltete Klamotten, Aufnäher, CDs, Schallplatten, Bücher und Zeitungen, Infoveranstaltungen, sowie aktuelle Infos zu laufenden Projekten und Kampagnen. Außerdem gibt es die Möglichkeit einen PC, samt Drucker und Internet frei zu nutzen. Seit kurzem bieten wir euch auch an unseren Wlan-Hotspot mit zu nutzen. Während der Öffnungszeiten könnt ihr gerne auf eine Tasse Tee oder Kaffee rein schauen und mit uns gemütlich über die Welt reden, oder einfach eine Zeitung lesen. Außerdem stellt der Infoladen Menschen und Gruppen einen Raum zur Verfügung um sich zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsam etwas zu bewegen. Das alles ist hier seit 2004 möglich.
Unser Vermieter, hat uns nun zum 31.08.13 gekündigt, was aber vorraussichtlich erst zum 31.12.13 rechtskräftig wird. Ab dann wird es den Infoladen in seiner jetzigen Form in der Norderstraße wahrscheinlich nicht mehr geben können. Der Infoladen begreift sich als Teil einer emanzipatorischen Gegenöffentlichkeit und will Menschen den freien Austausch von Ideen, Träumen und Lebensformen ermöglichen: sei es einen Weg abseits von Verwertungslogik auf dem Arbeitsmarkt und in der Freizeit, oder ein offensiven Umgang mit alltäglichem Rassismus und sexistischen Zuständen.
Daher sehen wir diese Kündigung auch als Versuch der Verdrängung von alternativen Inhalten und Lebensformen aus dem Innenstadtbereich. und nehmen an, dass der geplante Abriss der Norderstraße 41 mitsamt des Infoladens, des Skateshops Caramba und der Wohnungen ein weiterer Schritt der Umstrukturierung der Norderstraße darstellt, mit dem Ziel einer Annäherung an die Verhältnisse der Fußgängerzone. Diese wurde vor einigen Jahren teuer renoviert und die Straße letztlich weitestgehend privatisiert. Am Südermarkt wurden für den Neubau der Flensburger Galerie mehrere denkmalgeschützte Häuser abgerissen. Wirtschaftliche Interessen stehen also nicht nur in Flensburg oft über den Interessen der AnwohnerInnen oder des Denkmalschutzes. Baulärm ab 6 Uhr früh und Ungewissheit über eventuelle Aufwertung des eigenen Hauses* und somit steigende Miete sind Einschränkungen der Lebensqualität für viele in der Norderstraße. Genau wie der Infoladen es schwer haben wird einen neuen Raum zu finden, der ähnlich gut gelegen ist und für eine unkomerzielle Nutzung erschwinglich ist, wird eine Aufwertung der Straße auch Menschen treffen, die sich gezwungen sehen werden, umzuziehen, da die steigende Miete nicht mehr zahlbar ist.

* Wie es z.B. in der Schlossstraße und in der Harrisleerstraße passiert ist. In der Schlossstraße wurden teilweise lediglich die Fassaden erneuert um höhere Miete einzufordern. Auch in der Toosbuystraße sind jetzt schon Auswirkungen der Aufwertung in Form von steigenden Mieten zu spüren.